Schulgebäude nicht sanierbar - Verwaltung präsentiert Ersatzlösung
Agatha- und Albert-Schweitzer-Grundschule bekommen andere Standorte. Elternversammlung informiert über Lösungen.
Untersuchungsergebnisse der Bausubstanz des Schulgebäudes, im dem bisher die beiden Grundschulen Agatha- und Albert-Schweitzer untergebracht waren, haben die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Das Schulgebäude ist nicht zu sanieren und kann nur noch abgerissen werden.
Die Stadt Bottrop hatte am Mittwoch, dem 16.11.2008, alle Eltern beider Schulen eingeladen, um Ersatzlösungen für den Schulbetrieb zu präsentieren. Rund 80 Eltern waren gekommen und stellten viele Detailfragen. Vor allem ging es dabei um die Unterbringung der Schüler, den Schulweg und die Raumsituation an den Ausweichstandorten.
Die Stadt Bottrop hatte am Mittwoch, dem 16.11.2008, alle Eltern beider Schulen eingeladen, um Ersatzlösungen für den Schulbetrieb zu präsentieren. Rund 80 Eltern waren gekommen und stellten viele Detailfragen. Vor allem ging es dabei um die Unterbringung der Schüler, den Schulweg und die Raumsituation an den Ausweichstandorten.
Schuldezernent Paul Ketzer stellte den Lösungsvorschlag der Verwaltung vor und stellte sich den Fragen der Eltern. Kern des Lösungsvorschlags ist, dass der jetzige Ersatzstandort für die Albert-Schweitzer-Schule als Dauerlösung beibehalten wird. Die Agatha-Grundschule wird an den Standort der Cyriakusschule verlegt. An beiden Standorten soll erheblich in Gebäude und Ausstattung investiert werden. Allerdings müssen über den Verwaltungsvorschlag noch die politischen Gremien beraten und abstimmen.
Agathaschule fusioniert mit Cyriakusschule
Die Agathaschule mit ihren 91 Schülern wird damit an den Standort Böckenhoffstraße verlegt, dem angestammten Standort der Cyriakusschule. Beide Schulen sind katholische Konfessionsschulen. Der Schulentwicklungsplan sah bislang ohnehin vor, beide Schulen zu einem Grundschulverbund zusammenzufassen, da die Schülerzahlen der einzügigen Agathaschule eine Selbständigkeit zukünftig nicht mehr zulassen. Nach Aufgabe des Schulgebäudes und bei nur noch 15 für das Schuljahr 2008/2009 angemeldeten Schulneulingen ist dieser Verbund aber nicht mehr praktikabel. Daher soll die Agathaschule als eigenständige Schule aufgelöst und ihre Schüler in die Cyriakusschule überführt werden.Für das Raumproblem ist folgende Lösung vorgesehen: Am Schulstandort befindet sich ein Schulfertighaus für vier Klassen aus dem Jahr 1968. Untergebracht ist hier eine Förderschule. Das Gebäude sollte im Jahr 2009 durch ein neues Schulfertighaus ersetzt werden. Der Neubau soll jetzt auf dieses Jahr vorgezogen und das alte Gebäude bis 2011 weiter genutzt werden.
Albert-Schweitzer-Grundschule bleibt an der Prosperstraße
Die größere Albert-Schweitzer-Grundschule mit insgesamt 183 Kindern ist die einzige evangelische Konfessionsschule in Bottrop. Ihr Bestand soll gesichert werden. Dazu wird sie dauerhaft am Standort Prosperstraße untergebracht. In dem Gebäude, das bislang von der Marie-Curie-Realschule genutzt wurde, war vor einigen Jahren die Luther-Hauptschule untergebracht.Das Schulgebäude soll nun kindergerecht umgestaltet und zu einer funktionsfähigen Grundschule umgebaut werden. Vor allem fehlen Räume für Spiel und Freizeit. Der Umbau schließt auch eine Umgestaltung des Schulhofes mit ein. Die Verwaltung sieht sogar auch einige Vorteile für den neuen Standort, denn eine evangelische Kirche und ein Kindergarten befinden sich gleich in der Nähe.
Auch Ersatzräume für Marie-Curie-Realschule
Die Räume, die jetzt die Marie-Curie-Realschule an die Albert-Schweitzer-Grundschule abtreten wird, sollen durch den Bau eines Schulfertighauses für vier Klassen ausgeglichen werden. Weiterhin hat die Verwaltung vor, die Sanierung der Fachräume vorzuziehen und so die Attraktivität des Schulstandortes zu erhöhen.Hintergrund
Der Gebäudekomplex der Agatha- und der Albert-Schweitzer-Schule (ehemals Pestalozzischule) wurde 1957 bis 1959 geplant und gebaut. Die Betonschäden wurden Ende 2007 an tragenden Säulen entdeckt. Daraufhin wurde das gesamte Gebäude gründlich untersucht. Durchgeführt hatte die Untersuchungen die Roxeler Baustoffprüfstelle, ein Spezialunternehmen mit Sitz in Münster. Wesentliches Ergebnis war, dass die erforderlichen Werte zur Erfüllung der gesetzlichen Normen, die an die Statik eines solchen Gebäudes gestellt werden, nicht erfüllt werden.Die Baumängel bestanden von Anfang an. Jedoch ist es angesichts des Alters des Gebäudes, das rund 50 Jahre genutzt wurde, heute nicht mehr möglich, etwaige Schadenersatzforderungen geltend zu machen. Da der Bauschaden auch kein Versicherungsfall ist und auch keine Unterstützungsgelder etwa vom Land für solche Fälle zur Verfügung stehen, wird die Stadt Bottrop die Folgen selbst tragen müssen.
Einsturzgefährdet war das Gebäude zwar zu keiner Zeit, denn die gesetzlichen Vorgaben an die Bauausführung beinhalten einen hohen Puffer zur Gewährung einer ausreichenden Sicherheit für alle Bauteile. Die bewusste Inanspruchnahme dieser Sicherheiten ist jedoch rechtlich nicht zulässig. Daher war die Stadt gezwungen, eine weitere Nutzung des Gebäudes sofort einzustellen.
Die Sanierung des Gebäudes wäre aufwendig und zudem kurzfristig nicht zu realisieren. Um eine Grundsanierung durchführen zu können, müsste der Rohbauzustand des gesamten Gebäudes hergestellt werden. Das bedeutet, dass nicht nur alle Stahlbetonbauteile komplett freizulegen, der Putz abzuschlagen, Bodenbeläge und Estriche zu entfernen, sondern auch Verkleidungen wie Deckenabhängungen abzunehmen wären. Zudem müssten auch die Fenster und die gesamte Haustechnik (Elektro-, Heizungs- und Sanitäranlgen) ausgebaut und erneuert werden.
In dem dann noch verbleibenden Rohbau wären sämtliche Stützen zu ersetzen oder durch eine zusätzliche Tragkonstruktion aus Stahl zu verstärken. Die hierdurch bedingte Verbreiterung der Konstruktion ließe eine Wiederverwendung der ausgebauten Türen- und Fensteranlagen größtenteils nicht mehr zu. Für die Ertüchtigung der betroffenen Decken und Unterzüge käme neben der Aufbringung einer ergänzenden Schicht aus Spritzbeton an den Unterseiten und Aufbeton an den Oberseiten alternativ oder ergänzend eine Verstärkung mit Kohlefaserlamellen bzw. Stahllamellen in Betracht. Die Sanierungszeit würde bei realistischen Schätzungen bis zu zwei Jahren dauern.
(16.01.2008)


